Kissen gefertig aus einer Fahne
(Kurpfalz, vermutlich 1613)

Kissen, gefertigt aus einer Trompetenfahne Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, vermutlich 1613, Inv.-Nr. A 6161 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Erich Reisinger)Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620 war eine der folgenreichsten während des gesamten Dreißigjährigen Krieges (1618-1948). Die katholischen Armeen des Kaisers trafen hier auf die aufständigen Böhmen. Ein Jahr zuvor hatten die böhmischen Stände Friedrich V. von der Pfalz (reg. 1610-1623) zum König gewählt. Dies trug wesentlich zur Verlängerung des Krieges bei, da das Königreich Böhmen seit 1526 in Personalunion von den Habsburgern regiert worden war. In der Schlacht am Weißen Berg unterlagen die Aufständischen vollständig, Friedrich musste Prag fluchtartig verlassen. Er verlor seine Kurwürde und die pfälzischen Erblande. Er sollte nie mehr zurück kehren.

Dieses Kissen wurde aus einer Trompetenfahne Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz gefertigt und ging während der Schlacht verloren. Später arbeitete man sie zu einem Kissen um. Zwölf dieser Fahnen ließ Friedrich anlässlich seiner Hochzeit mit der englischen Königstochter Elisabeth Stuart 1613 herstellen. Sie zeigen das Wappen der Kurpfalz umrahmt vom Band des Hosenbandordens.

Die Rückseite dieses Kissens wurde mit Leder bezogen, es diente somit vermutlich zum Knien. In Schweden gibt es noch mindestens zwei weitere derartige Exemplare, die sich heute im Nationalmuseum Stockholm befinden. Sie wurden 1886 erworben. Davor dienten sie in der Dorfkirche von Kungsara als Unterlagen für Bibel und Predigtbuch.

Wie und von wem das Kissen gefertigt wurde, ist nicht sicher zu sagen. Die kurpfälzische Leibgarde wurde während der Schlacht vernichtend geschlagen und die Feldzeichen erbeutet. Angeblich befand sich in einem der Kissen in Kungsara ein Zettel, aus dem hervorging, dass die Fahnen in der Schlacht verloren gingen. Ein „Musterschreiber auf Weissenberg“ fand sie und verkaufte die Stücke in Würzburg. Der Syndikus des Kollegiatsstifts Haug habe daraus die beiden Kissen fertigen lassen, die er am 5. März 1627 dem Probst zu Haug, Konrad Friedrich von Thüngen, „verehrte“. Der Syndicus hatte angeblich diesen verloren gegangenen Zettel verfasst. 1632 wurden die Fahnen von einem schwedischen Soldaten erbeutet, der sie der Kirche in Kungsara schenkte. Damit wäre zu vermuten, dass es drei Kissen gab, von denen eines heute im Bayerischen Armeemuseum ist. Ob das heute in der Ausstellung „Bayern wird Kurfürstentum“ gezeigte Kissen im 19. Jahrhundert aus Schweden nach Bayern zurückkehrte, kann derzeit nicht belegt werden. 1922/1935 übergab das Bayerische Nationalmuseum das Stück an das Bayerische Armeemuseum. Seither wurde es in allen Dauerausstellungen gezeigt (Inv.-Nr. A 6161).