Objekt des Monats

Ehrenzeichen vom 9. November 1923, so genannter „Blutorden“; Privatbesitz © Bayerisches Armeemuseum

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Das Ehrenzeichen vom 9. November 1923 („Blutorden“)
(Deutsches Reich, nach 1933)

Ehrenzeichen vom 9. November 1923 („Blutorden“); Privatbesitz © Bayerisches ArmeemuseumEhrenzeichen vom 9. November 1923 („Blutorden“); Privatbesitz © Bayerisches ArmeemuseumDie 13 Kompanien des am 1. März 1923 aufgestellten und in der Landeshauptstadt stationierten SA-Regiments München waren am 8. November 1923  alarmiert und für den darauffolgenden Tag zum Bürgerbräukeller beordert worden, um dort Waffen und Munition zu empfangen.  Gegen Mittag des 9. November 1923 setzten sich die Putschisten unter Führung Hitlers vom Bürgerbräukeller Richtung Innenstadt in Bewegung, um auch Landespolizei und Reichswehr für den geplanten „Marsch auf Berlin“ zu gewinnen. Einzelne Kompanien des SA-Regiments hatten dazu den Auftrag erhalten, strategisch wichtige Punkte in München zu besetzen. Unter den Angehörigen des SA-Regiments München befand sich auch Karl Wörlein (1906-1978), der schon 1921 in die SA eingetreten war und an diesem Tag als 17jähriger in der 3. Kompanie Dienst leistete. Sein zwei Jahre älterer Kamerad Karl Laforce aus der gleichen Einheit wurde am selben Tag als Angehöriger des Stoßtrupps Hitler bei der Schießerei am Odeonsplatz tödlich verwundet und fortan zu den 16 „Blutzeugen der Bewegung“ gezählt.     

Zur „Erinnerung an die nationalsozialistische Erhebung vom 9. November 1923“ stiftete Adolf Hitler wahrscheinlich Ende 1933 ein Ehrenzeichen, das primär an diejenigen verliehen werden sollte, die an den Kampfhandlungen selbst teilgenommen oder aufgrund ihrer politischen Einstellung den Beruf verloren bzw. um Entlassung gebeten hatten.  Ferner sollten auch diejenigen ausgezeichnet werden, die durch Polizei oder höhere Gewalt daran gehindert worden waren, sich aktiv an dem Putsch zu beteiligen. Grundvoraussetzung für den Erwerb des Ehrenzeichens war aber, dass der Bewerber schon vor dem 30. Januar 1933 ununterbrochen Mitglied der Partei oder Angehöriger der SA gewesen sein musste. Wer alle Bedingungen erfüllte, hatte die Verleihung des Ehrenzeichens selbst beim Zentralamt der Obersten SA-Führung zu beantragen. Karl Wörlein erhielt das hier abgebildete Ehrenzeichen mit der Matrikelnummer „550“.  

1931 trat Wörlein in die SS ein. Während des Zweiten Weltkrieges war er Angehöriger der Außenstelle des Rasse- und Siedlungshauptamtes-SS Amsterdam  und im Range eines Hauptsturmführers (= Hauptmann) als stellv. Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung und Leiter der Hausratserfassungsstelle tätig. Eine Anklage bzw. Verurteilung nach 1945 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfolgte nicht.

Das Ehrenzeichen wird in der Ausstellung „Friedensbeginn? Bayern 1918-1923“ im Museum des Ersten Weltkriegs ausgestellt (Privatbesitz).

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