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Uniform eines Chinesischen Soldaten
(China, um 1900)


Uniform eines Chinesischen Soldaten um 1900, Inv.-Nr. H 3688 - H 3691 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Georg Pilz)
28 Bilder umfassende Mappe „Typen chinesischer Militär-Mandarine, Soldaten und Polizisten aus der Provinz Schantung, nach dem Leben gezeichnet in den Jahren 1902-1904“, Inv.-Nr. G 1602 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Georg Pilz)Die hier gezeigte Bekleidung eines chinesischen Soldaten besteht aus blauer Leinenhose und weste sowie einem baumwollenen Überwurf und Schurz, die beide mit einem auffälligen gelb-schwarzen Tigermuster bedruckt sind (Inv.-Nrn. H 3688 – H 3691). Der Tiger als Symbol der Stärke spielte im chinesischen Militär der Qing-Dynastie (1644-1912) eine wichtige Rolle. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Objektkonvolut um die Uniformierung für die Leibwache des Gouverneurs der Provinz Schantung.
In das Bayerische Armeemuseum gelangten die Textilien im Jahre 1917 als Schenkung von Theodor Kurz, der von 1902 bis 1904 als Oberleutnant im III. See-Bataillon in China gedient hatte. Erst kurz zuvor waren Tausende deutscher Soldaten und Militärangehörige von sieben weiteren Nationen an der imperialistisch intendierten Niederschlagung des Boxeraufstandes 1900/01 beteiligt gewesen.
Während seiner Dienstzeit als Besatzungssoldat in China fertigte Kurz zahlreiche Aquarellstudien von chinesischen Uniformen an. In einer 28 Bilder umfassenden Mappe (Inv.-Nr. G 1602) mit dem Titel „Typen chinesischer Militär-Mandarine, Soldaten und Polizisten aus der Provinz Schantung, nach dem Leben gezeichnet in den Jahren 1902-1904“ befindet sich auch eine Darstellung dieser Uniformierung. Der Vergleich mit dem Original belegt, wie detailgetreu Kurz in seinen Bildnissen gearbeitet hat. Wie er in den Besitz dieser Textilien gelangte, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.
Nach seiner Rückkehr aus China war Theodor Kurz als bayerischer Hauptmann im Bayerischen Armeemuseum wesentlich an der Neueinrichtung der Dauerausstellung zum 19. Jahrhundert beteiligt, die im seinerzeitigen Neubau des Museums im Münchener Hofgarten präsentiert wurde. Zu den Objekten dieser Ausstellung zählten auch zahlreiche militärische Kriegsbeutestücke des Ostasiatischen Expeditionskorps, die während des Boxerkrieges in China erbeutet worden waren. Als Kurz 1917 die Textilen dem Armeemuseum überließ, informierte ihn der seinerzeitige Direktor, dass bereits ein Bildhauer beauftragt sei, hierzu „eine ganze Figur mit künstlerisch ausgeführtem Kopf zu schaffen“, so dass nach deren Fertigstellung „eines der hervorragendsten Stücke unserer China-Kriegs-Beute zur Geltung kommen wird.“
Nachdem dieses Gewand für viele Jahrzehnte im Depot verwahrt wurde, wird es in absehbarer Zeit als Exponat in einem neuen Dauerausstellungsabschnitt über Imperialismus und Boxerkrieg im Bayerischen Armeemuseum präsentiert werden.