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Prothese einer linken Hand
(deutsch?, um 1520)

Prothese einer linken Hand, deutsch(?), um 1520, Inv.-Nr. A 7924 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Heidi Hausse)Der Verlust eines Körperteils bei kriegerischen Auseinandersetzungen war und ist immer möglich. Auch das Amputieren von Körperteilen wurde in früherer Zeit bereits praktiziert. Meist war der damit einhergehende Blutverlust oder die später auftretende Sepsis (Blutvergiftung) jedoch tödlich. Dennoch überlebten die Betroffenen manchmal auch derartig schwere Verletzungen. Besonders berühmt ist Götz von Berlichingen (um 1480-1562). Er verlor 1504 durch eine Kanonenkugel die rechte Hand und ersetze diese durch eine eiserne Prothese. Das brachte ihm den Beinamen „mit der eisernen Hand“ ein.

Die hier gezeigte Prothese, die manchmal auch als Ingolstädter Hand bezeichnet wird, wurde wohl um 1520 hergestellt. Mit Hilfe eines Federmechanismus‘ lassen sich die gebogenen Finger in mehreren Positionen arretieren. Die in ein Zahnrad einrastende Feder kann einfach gelöst werden, um die Finger wieder frei zu geben.

Die als linke Hand ausgebildete Prothese besteht aus Eisenblech, wurde hautfarben bemalt und ist fein gearbeitet. So wurden sogar die Fingernägel eingearbeitet. Am Handgelenk sind Löcher zur Befestigung am Arm des Trägers erkennbar. Das Stück ist relativ klein, so dass man vermuten könnte, es handele sich um eine Hand für ein Kind. Allerdings war die komplexe Mechanik, die außen und nicht im Inneren angebracht ist, für ein Kind eher hinderlich. Sie konnte sich leicht an Kleidungsstücken verhaken oder beim Spielen verdrecken. Ein Handschuh würde keinen Sinn machen, da die Prothese dann nicht bedient werden kann. All diese Probleme hätte jedoch auch ein Erwachsener meistern müssen, so dass sich Prothesen mit außenliegender Mechanik auch nicht durchsetzten.

Prothese einer linken Hand, deutsch(?), um 1520, Inv.-Nr. A 7924 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Heidi Hausse)Dieses Stück kam 1929 durch einen Tauschvorgang aus dem Allgäuer Heimatmuseum in Kempten in das Bayerische Armeemuseum. Leider gab es in Kempten keine weiteren Informationen zur Herkunft der Prothese. Es muss also unklar bleiben, für wen und wann genau dieses Stück gefertigt wurde. Es ist also auch nicht sicher, dass der Träger oder die Trägerin seine Hand in Folge von Gewalteinwirkung verlor (Inv.-Nr. A 7924).