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Schild für ein Werbelokal der österreichischen Armee
(Süddeutsch, 1801-1806)

Schild für ein Werbelokal der österreichischen Armee, süddeutsch 1801-1809, Inv.-Nr. L 6804 (Leihgabe des Bayerischen Nationalmuseums in München) © Bayerisches ArmeemuseumDas strukturelle Grundproblem der stehenden Heere war es, ihre Stärke aufrechtzuerhalten, wofür sie regelmäßig neue Rekruten benötigten. Die Heere bestanden in der Regel aus einer Mischung von dienstpflichtigen Untertanen und – mehr oder weniger freiwillig – Angeworbenen. In der österreichischen Armee waren die „Konskribierten“ prinzipiell lebenslänglich dienstpflichtig, was sehr abschreckend wirkte und viele Betroffene zur Flucht veranlasste; die Dienstzeit wurde 1802 daher auf 10 bis 14 Jahre gesenkt. Männer, die sich frei für Kriegsdienste anwerben ließen, konnten hingegen Zeitverträge („Kapitulationen“) über mindestens sechs Jahre abschließen. Die Freiwilligenwerbung war damit ein wichtiges Element für den Heeresersatz, zumal sie besser motivierte, professionelle Soldaten erhoffen ließ.
Besonders profitabel erschien die Werbung im Ausland, da man so an Soldaten kommen konnte, ohne die eigene Bevölkerung zu schwächen. Die österreichische Armee hatte dank der zusätzlichen Rolle des Monarchen als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs den Vorteil, in den außerösterreichischen Territorien des Reichs werben zu dürfen. Besonders in den Reichsstädten im Süden und Westen waren kaiserliche Werber aktiv.
Das gemalte Holzschild, durch einen Rahmen vor der Witterung geschützt, hing vermutlich am Eingang eines Wirtshauses in einer süddeutschen Reichsstadt, in dem ein österreichisches Werbebüro angesiedelt war. Die Inschriften „Kayserliche Freye Reichswerbung“ und „Zur Ehre des Deutschen Kaisers und des tapfern E[rz] H[erzogs] Carl, unsers Kriegs- und Marinen Ministers“ zeigen, dass man sowohl auf die Treue zum Kaiser als Oberherrn Deutschlands setzte als auch auf das Prestige des durch seine
militärischen Leistungen populären Erzherzogs Carl. Unter dem kaiserlichen Adler, auf dessen Brust das Monogramm F[ranz] II. steht, sind zwei österreichische Soldaten zu sehen, die sich freundlich mit jungen Männern in bäuerlicher beziehungsweise
bürgerlicher Tracht unterhalten. Die Soldaten tragen die seit 1800 in der österreichischen Armee eingeführte Variante des Kasketts, die Farbe der Abzeichen könnte auf das berühmte Regiment „Deutschmeister“ hinweisen.

Das Objekt ist eine Leihgabe des Bayerischen Nationalmuseums und wird derzeit im Depot des Armeemuseums verwahrt, soll jedoch Eingang in die neue Dauerausstellung finden (Inv.-Nr. L 6804).

Daniel Hohrath


Objekt des Monats


Schild für ein Werbelokal der österreichischen Armee, süddeutsch 1801-1809, Inv.-Nr. L 6804 (Leihgabe des Bayerischen Nationalmuseums in München) © Bayerisches Armeemuseum

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