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Objekt des Monats

Kommandeurkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens; Inv. Nr. N 3211 © Bayerisches Armeemuseum

Doppeklartaunen Scherer und Schererin
(Neuburg an der Donau, 1524 und 1525)

Doppelkartaunen Scherer und Schererin, Neuburg an der Donau 1524 und 1525, Inv. Nr.n C 1387 und C 1396 © Bayerisches ArmeemuseumZu den prachtvollsten Stücken des Bayerischen Armeemuseums zählen die beiden Doppelkartaunen Scherer und Schererin, die vor dem Eingang zum Museum im Hof des Neuen Schlosses aufgestellt sind. Kartaunen sind Vorderladergeschütze, mit denen Eisenkugeln verschossen wurden. Doppelkartaunen verschossen Kugeln, die doppelt so groß waren. 1524 und 1525 wurden diese Kunstwerke aus Bronze in Neuburg an der Donau gegossen. Auftraggeber waren vermutlich die jungen Fürsten der Jungen Pfalz mit der Hauptstadt Neuburg, Ottheinrich und Philipp, die 1522 die Herrschaft antraten. Zuvor hatte ihr Onkel, Pfalzgraf Friedrich II., der Weise (Kurpfalz) hier die Vormundschaft ausgeübt.
Die Reiliefs auf dem Stoßboden zeigen, neben dem Hauptbild mit einem Profilbild Pfalzgraf Friedrichs, vermutlich seine Neffen Ottheinrich und Philipp sowie den Pfälzer Löwen und das bayerische Rautenschild. Es ist ungewöhnlich, den Stoßboden mit einem so aufwändigen Relief zu verzieren, und kann wohl nur mit dem speziellen Wunsch der Auftraggeber erklärt werden. Interessanterweise ist das Hauptrelief an sich ein Hinweis auf den Auftraggeber, aber die Datierung und der Gussort lassen vermuten, dass es ein Geschenk für Friedrich war. Vermutlich erging der Auftrag bereits 1522 verlangte jedoch so viel Vorarbeit, dass die Stücke erst zwei bzw. drei Jahre später fertig wurden.

Stoßboden der Doppelkartaune Scherer, Neuburg an der Donau 1524, Inv. Nr. C 1387 © Bayerisches ArmeemuseumMit einem Kaliber von 22 cm verschossen diese Kartaunen Eisenkugeln mit einem Gewicht von mehr als 40 kg Gewicht. Ob sie jedoch jemals abgefeuert wurden, ist nicht überliefert. Vermutlich dienten sie mit ihrem aufwändigen Dekor eher repräsentativen Zwecken, waren jedoch sicherlich nicht nur Kunstobjekte, sondern sicher auch schussfähig.

Früher sah man im Guss eines Bronzegeschützes so etwas wie die Geburt einer Person, so dass alle Bronzerohre einen Namen erhielten. In diesem Falle „Der wilde Mann“ ausgedrückt im Relief eines säbelschwingenden Kriegers auf dem Langfeld der einen Kartaune. Das Gegenstück, das bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde, zeigte ein Relief mit einer Frau mit wehenden langen Haaren und trug deshalb den Namen „Das wilde Weib“. Später wurden die Stücke in „Scherer“ und „Schererin“ umbenannt. Als Gießer ist „SEBOLT HIRDER ZV NEVPVRG“ genannt. Er war auch als Glockengießer tätig und starb 1563 in Nürnberg.

Bald nach ihrer Fertigstellung wurden die Gechütze nach Amberg verbracht, von wo sie 1621 von Maximilian I. nach München brachte. Im spanischen und österreichischen Erbfolgekrieg wurden die alten Geschütze, die heute vor dem Armeemuseum stehen, von den Österreichern als Kriegsbeute nach Wien entführt. 1805 brachte sie Napoleon dann wieder nach München zurück, wo sie feierlich im Januar 1806 anlässlich der Königserhebung Max Josephs in die Stadt zurück gebracht wurden.

Die Kartaunen stehen im Hof des Neuen Schlosses (Inv. Nr.n C 1387 und C 1396).

Aktuelles

Fünfeckturm Neues Schloss © Bayerisches Armeemuseum, Foto: Gert SchmidbauerDauerausstellung im Neuen Schloss derzeit im Wiederaufbau - stattdessen sehen Sie hier die
Sonderausstellung „Nord gegen Süd“

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