Granate und Flugblattrolle (1945), Inv.-Nr. 0678-1983 © Bayerisches ArmeemuseumFlugblattgranate
(1945)

Solche Geschosse wurden in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges von der amerikanischen Artillerie verschossen. Nicht Sprengstoff war ihr wirksamer Inhalt, sondern ein Flugblattbündel.  In diesem Fall richteten sich die Flugblätter an die Bürgermeister von Ortschaften, die auf dem Weg der vorrückenden amerikanischen Streitkräfte lagen. Die Adressaten wurden aufgefordert, ihre Gemeinde zur Kapitulation vorzubereiten und jeden militärischen Widerstand zu unterbinden:

AN DEN BÜRGERMEISTER

Wenn Sie Ihren Ort und die Bevölkerung retten wollen, müssen die folgenden Anweisungen sofort ausgeführt werden.

1. Eine weisse Fahne ist sichtbar am höchsten Gebäude des Ortes aufzuhängen.

2. Ein Bevollmächtigter unter weisser Fahne ist in der Richtung der amerikanischen Truppen zu entsenden.

3. Alle Minen und Barrikaden sind zu beseitigen.

Gewissenlose Elemente können durch das Abgeben von auch nur einigen Schüssen Ihre Bemühungen zunichte machen und die Zerstörung Ihres Ortes herbeiführen.

Dieses Flugblatt ist dem Bürgermeister sofort zu übergeben.

 

Beide Objekte sind als Leihgabe in der Dauerausstellung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu sehen (Inv. Nr. 0678-1983 bzw. 0874-1996).