Vortrag

Ein Massengrab im Museum. Die Schlacht von Alerheim 1645 und die Räumung eines Schlachtfeldes
Dr. Tobias Schönauer

18.03.2020, 18:00 Uhr

Neues Schloss

 

Detail des Massengrabs von Alerheim während der Ausgrabung (Foto: Grabungsfirma ADV)Am 3. August 1645 fand bei dem kleinen Dorf Alerheim in der Nähe von Nördlingen eine der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges statt. An diesem Tag kamen hier zwischen 5000 und 10.000 Soldaten ums Leben. Dieser hohe Blutzoll sollte jedoch keinen Einfluss auf den weiteren Kriegsverlauf haben – bereits im Herbst war der Status quo weitgehend wiederhergestellt.

Der Vortrag geht auf die Vorgeschichte und den Verlauf der Schlacht von Alerheim ein. Im Fokus stehen dabei jedoch nicht taktische Überlegungen, sondern die Brutalität der Kriegsführung dieser Zeit, die auf Menschenleben keinerlei Rücksicht nahm. So sagte der französische Oberbefehlshaber Condé später über die Schlacht: „Was wollen Sie? Eine Nacht in Paris zeugt mehr Leben, als diese Schlacht gekostet hat.“
Der Fund eines Massengrabes auf dem Schlachtfeld im Jahr 2008 konnte ausführlich anthropologisch untersucht werden und erbrachte neue Erkenntnisse über das Leben und Leiden der Söldner, die hier starben. Das Grab selbst und das erhaltene Quellenmaterial werfen jedoch auch ein bezeichnendes Bild auf die Situation der Bevölkerung der umliegenden Dörfer. Sie wurde mit der Räumung des Schlachtfeldes und dem Begraben der Toten völlig alleingelassen, die in der sommerlichen Hitze von über 30 ° C auf offenem Feld liegen gelassen worden waren.

Dr. Tobias Schönauer ist Kurator am Bayerischen Armeemuseum und entwickelte das Konzept des ersten Teils in der neuen Dauerausstellung (Zeitraum Mittalter bis 1650). Hier finden sich auch einzelne Knochen aus dem Massengrab von Alerheim. Er betreut als Konservator den Sammlungsbereich dder Blank- und Stangenwaffen und ist darüber hinaus u.a. für die Abteilung "Dokumentation" im Museum verantwortlich.