Wams und Kniehose eines Conquistadoren
(Spanien/Peru, um 1560)

Wams (Männerbekleidung), um 1560, gefunden in Peru, Inv. Nr. A 9236 © Bayerisches ArmeemuseumKniehose (Männerbekleidung), um 1560, gefunden in Peru, Inv. Nr. A 9237 © Bayerisches ArmeemuseumKleidungsstücke aus dem 16. Jahrhundert sind nur sehr selten erhalten. In früheren Jahrhunderten wurden Kleidung und Schuhe meist vollständig aufgetragen und sind somit kaum überliefert. In anderen Sammlungen oder Museen ist eine Alltagskleidung wie dieses Wams und die Kniehose eines einfachen Soldaten bislang nicht nachgewiesen.

Die Stücke wurden Ende der 1920er bzw. Anfang der 1930er Jahre während einer Expedition in Nordperu entdeckt. Auf den Gräberfeldern im Tal des Rio Chicama fanden die Forscher des Münchner Museums für Völkerkunde diese Stoffreste auf dem Sand ohne dabei auf Skelettreste zu stoßen. Vermutlich waren sie von Grabräubern weggeworfen worden ohne weiter auf sie zu achten. Große Blutflecken auf Wams und Hose lassen vermuten, dass der Träger gewaltsam ums Leben kam.

Das Besondere an diesen Kleidungsstücken ist neben ihrem Alter und ihrer Seltenheit auch ihre Herstellungsart. Der Schnitt ist eindeutig europäisch, angenähte Teile und der Verschleiß der Hose lassen vermuten, dass die Kleidung längere Zeit getragen wurde. Vergleiche mit alten peruanischen Geweben zeigen, dass beide Stoffe, aus denen das Wams gearbeitet ist, vermutlich in Peru selbst hergestellt wurden. Somit könnte es sich um die ältesten erhaltenen Kleidungsstücke eines Conquistadors handeln. Die Conquistadoren – Soldaten, Entdecker und Abenteurer – eroberten während des 16. und 17. Jahrhunderts große Teile Amerikas für die spanische Krone. Durch ihre waffentechnische Überlegenheit und das Einschleppen von Krankheiten dezimierten sie dabei die einheimische Bevölkerung drastisch. Schätzungen gehen von bis zu 15 Millionen toten Ureinwohnern zwischen 1500 und 1600 aus.

Schon kurz nach ihrer Entdeckung, war klar, dass es sich bei diesen Stücken um Fragmente europäischer Kleidung handelte. Vielleicht ist das der Grund, weshalb der spätere Direktor des Völkerkundemuseums, der an der Expedition teilgenommen hatte, diese außergewöhnlichen Objekte 1932 der Sammlung des Bayerischen Armeemuseums übereignete. Erst 2017 wurden die Stücke für die neue Dauerausstellung neu untersucht, konservatorisch behandelt und für eine erstmalige Präsentation ausgewählt.

Die Stücke sind in der Schatzkammer des des Museums zu sehen (Inv. Nrn. A 9236 und A 9237).