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Objekt des Monats

Kommandeurkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens; Inv. Nr. N 3211 © Bayerisches Armeemuseum

Stahlhelm
(um 1916)

Stahlhelm Erster Weltkrieg mit Tarnanstrich © Bayerisches ArmeemuseumZur Verhütung gefährlicher Kopfverletzungen, oft nur durch kleinste Splitter hervorgerufen, erhielten die deutschen Truppen an der Westfront ab Dezember 1915 einen Stahlhelm von etwa 1200 g Gewicht aus Chromnickelstahl mit einer Wandstärke von etwa 1 mm. Frankreich und Großbritannien hatten diesen Schritt bereits ein Jahr zuvor vollzogen. Entwickelt wurde der deutsche Stahlhelm innerhalb weniger Monate maßgeblich von Prof. Friedrich Schwerd, Ordinarius an der Technischen Hochschule Hannover. Er führte umfangreiche Proben mit Prototypen durch und konnte bereits nach kurzer Zeit einen Stahlhelm vorlegen, der im Wesentlichen unverändert die nächsten Jahrzehnte im Einsatz bleiben sollte.
Der deutsche Stahlhelm zeichnete sich durch eine markante Form mit tiefem Nackenschirm aus. Im Jahr 1918 versah man Stahlhelme und Geschütze mit einem scharfkantig abgegrenzten Tarnanstrich in mehreren Ockerfarben. Zuvor hatte man festgestellt, dass der Helm trotz eines matten, feldgrauen Tons in der Sonne oder bei Mondlicht glänzte. Schließlich gelang es durch Beimischen von Sand und Erde den Anstrich matt genug zu machen. Stoffüberzüge wie sie zvor bei Lederhelmen verwendet worden waren, wurden nicht eingeführt, da Baumwollstoffe im Krieg knapp waren und für Bekleidungsstücke reserviert blieben. Außerdem zogen Stoffüberzüge Feuchtigkeit an und begünstigten damit die Rostbildung am Helm. Nur für die Tarnung in Schneegelände gab es seit 1917 weiße Stoffüberzüge. Anders als die französischen oder britischen Helme verzichtete der deutsche Stahlhelm aus Tarngründen vollständig auf besondere Abzeichen, mit denen man Offiziere von Mannschaften unterscheiden konnte. Dies war ein einschneidender Bruch mit den bislang üblichen Kopfbedeckungen.
Um unter dem schweren Helm eine ausreichende Belüftung zu gewährleisten, waren seitlich zwei Entlüftungsbolzen und im Innern ein aus drei Polsterkissen bestehendes Futter angebracht. Befestigt wurde der Helm durch einen ledernen Kinnriemen, der aus Sparsamkeit den Pickelhauben entnommen und an Rosetten eingehängt wurde. Diese Rousetten befanden sich an den Seitenschirmen, um bei Einbeulungen des Helmes keine Befestigungsteile in den Schädel zu stoßen. Die Befestigung des Kinnriemens gab Anlass zu Beanstandungen. Da der Riemen zu weit von den Wangen entfernt an den Seitenwänden aufgehängt war, saß der Helm oftmals nicht fest und ging beim Laufen oder Bückender Soldaten verloren. Entsprechende Änderungen des Riemens bewirkten jedoch den nötigen festen Sitz (Inv. Nr. 0028-1963).

Beispiele sind in der Ausstellung „Der Erste Weltkrieg“ im Reduit Tilly zu sehen. Weitere Exemplare wurde in den Ausstellungen "WeltWissen - 300 Jahre Wissenschaften in Berlin" an der Humboldt-Universität Berlin oder „GROSZ. KRI EG GROTESK. Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit" (6.7.2014 - 2.11.2014) im Buchheim Museum der Phantasie in Bernried gezeigt.

aus: Stahlhelme vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart (Veröffentlichungen des Bayerischen Armeemuseums 8), 1984

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