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Objekt des Monats

Kommandeurkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens; Inv. Nr. N 3211 © Bayerisches Armeemuseum

Komturkreuz des bayerischen Militär-Verdienstordens 1866
(Bayern nach 1866)

Komturkreuz des bayerischen Militär-Verdienstordens 1866, Inv. Nr. N 1365 © Bayerisches ArmeemuseumKomturkreuz des bayerischen Militär-Verdienstordens 1866 (Rückseite), Inv. Nr. N 1365 © Bayerisches ArmeemuseumMit König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) – dem „Märchenkönig“ - verbindet man in der Regel prunkvolle Schlösser als Ausdruck seiner Phantasien, die allerdings auf konkreten Vorbildern beruhen. Das Versailles der französischen Könige, das Mittelalter mit seinen Sagen und Mythen oder die Text- und Tondichtungen Richard Wagners (1813-1883), des bedeutendsten Erneuerers der europäischen Musik im 19. Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund mutet es fast befremdlich an, dass der menschenscheue Träumer und Idealist vor fast 150 Jahren auch Stifter einer militärischen Auszeichnung war.
Anlass hierfür war der Mitte Juni 1866 ausgebrochene preußisch-österreichische Krieg um die Vorherrschaft in Deutschland. Auf der Seite Preußens standen u.a. verschiedene norddeutsche Staaten, auf der Seite Österreichs vor allem die süddeutschen Bundesstaaten mit Bayern an der Spitze.  In der deutschen Bevölkerung war dieser Krieg ausgesprochen unpopulär, da es den meisten ein Gräuel war, dass Deutsche auf Deutsche schießen mussten. Das Schlagwort vom Bruderkrieg machte die Runde.
Obwohl der  Waffengang bereits am 3. Juli 1866 auf dem böhmischen Kriegsschauplatz bei Königgrätz zugunsten Preußens entschieden war, stiftete Ludwig II. am 19. Juli 1866 –  noch bevor ein allgemeiner Waffenstillstand vereinbart wurde – einen Militär-Verdienstorden, mit dem zum einen all diejenigen ausgezeichnet werden konnten, die nicht den strengen Anforderungen des 1806 gestifteten und mit einer lebenslangen Pension sowie dem persönlichen Adel verbundenen und deshalb hoch angesehenen Militär-Max-Joseph-Ordens genügten. Zum anderen sollten damit die Kriegsverdienste aller „dem vaterländischen Heere“ angehörigen Personen mit einem „äußerlichen Ehrenzeichen“ gewürdigt werden. Daneben stand der Erwerb des Militär-Verdienstordens aber auch ausländischen Militärpersonen und Zivilisten, die sich „auf hervorragende Weise“ um die Armee verdient gemacht hatten, offen.
Nach dem Wortlaut der Statuten zum Militär-Verdienstorden sollte „zu allen Zeiten“ der König selbst das Amt des Großmeisters innehaben. Die Auszeichnung war zunächst in fünf Klassen unterteilt und gliederte sich in Großkreuze, Großkomture, Komture, Ritter der 1. und 2. Klasse sowie die Militär-Verdienstkreuze. Diese klassische Aufteilung entsprach in etwa den Führungsebenen im Heer mit den Generalen (Großkreuz und Großkomtur jeweils mit Stern), den Brigadekommandeuren (Komtur- oder Kommandeurkreuz) und den übrigen Stabs- und Subalternoffizieren (Ritterkreuz). Jeder dieser Beliehenen erwarb zugleich das Recht, sein Wappen mit den Ordensinsignien zu umgeben.
Da der Orden jedoch den Offizieren und den ihnen gleichstehenden Beamten vorbehalten war, kam für die Gruppe der Unteroffiziere mit und ohne Portepee sowie Mannschaften das dem Militär-Verdienstorden angeschlossene Militärverdienstkreuz zur Ausgabe. Allerdings sollten diese Personen nach Ablauf ihrer Militärdienstzeit bei einer Einstellung in den einfachen Dienst der Staatsverwaltung bevorzugt werden.  
Die Dekoration war nach den Vorbild des 1767 von Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz (1724-1799) ins Leben gerufenen Ordens vom Pfälzer Löwen geschaffen worden und besaß die Form eines Maltesterkreuzes mit vier blau emaillierten, gezackten Armen, zwischen denen sich stilisierte goldene Flammen befanden. Das mittige und von einem weißen Band mit Schließe umgebene schwarz emaillierte Medaillon zeigt Avers den bekrönten  königlichen Namenszug „L“ und Revers den aufrecht stehenden bayerischen Löwen. Auf dem Band befindet sich vorne in goldener Schrift der Wahlspruch „MERENTI“ (= dem Verdienst) und hinten das Stiftungsjahr 1866.
Obwohl die Auszeichnung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert geschaffen wurde, könnte anhand bestimmter barocker Elemente wie Flammen, Löwe, Monogramm oder Agraffe für den Bandring die Einflussnahme des Stifters vermutet werden.
Die Verleihungen des neuen Ordens waren bereits im ersten Quartal des Jahres 1867 abgeschlossen. Obwohl der Militär-Verdienstorden einschließlich Militärverdienstkreuz im Feldzug 1866 die am häufigsten vergebene Auszeichnung im bayerischen Heer war, konnte sich der königliche  Stifter nicht dazu entschließen, den Orden selbst anzulegen.
Das Komturkreuz des bayerischen Militär-Verdienstordens wird neben vielen anderen ausgesuchten Exponaten ab 22. Juli 2016 in der Sonderausstellung „Nord gegen Süd. Der Deutsche Krieg 1866“ zu sehen sein (Inv. Nr. N 3165).

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Sonderausstellung „Nord gegen Süd“

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