Vortrag

Die Belagerung in der Frühen Neuzeit
Daniel Hohrath, M.A.

18.09.2019, 18:00 Uhr

Neues Schloss

 

Planungsmodell der Festung Ingolstadt (um 1566), Inv. Nr. N 5104 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Gert Schmidbauer)Festungen spielten in fast allen europäischen Kriegen der Frühen Neuzeit eine bestimmende Rolle. Viele Feldzüge drehten sich um den Besitz einzelner Festungsstädte. Es gab deutlich mehr Belagerungen als große Schlachten.
Deshalb widmet sich ein Teil der neuen Dauerausstellung des Bayerischen Armeemuseums, deren erster Abschnitt die „Formen des Krieges“ in der Frühen Neuzeit (1600 bis 1815) zum Thema hat, dem Belagerungskrieg.
Nachdem die Durchsetzung der schweren Feuerwaffen dazu geführt hatte, das hohe Mauern keinen Schutz mehr boten, hatte sich seit dem 16. Jahrhundert eine neue Art von Festungsbau entwickelt, der größere Flächen benötigte und höhere Kosten verursachte als die Stadtmauern des Mittelalters. Dies konnten nur noch die fürstlichen Potentaten großer Herrschaftsgebiete finanzieren, so dass nur ausgewählte Städte zu immer stärkeren Festungen ausgebaut wurden. Ingolstadt stellt als Hauptfestung des Kurfürstentums Bayern geradezu ein Musterbeispiel dar. Der technische Wettlauf zwischen Angriff und Verteidigung erforderte laufende Modernisierungen.
Für die Bevölkerung einer Stadt verkehrte sich der Schutz, den die Befestigung im Kriegsalltag gegen durchziehende und plündernde Truppen bot, ins Gegenteil. Nun stand die Stadt selbst im Mittelpunkt des Kriegsgeschehens: Brand, Zerstörung und Tod drohten nicht nur durch den Beschuss; eine längere Belagerung konnte auch zum Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung führen, zumal die militärische Besatzung oft viel zahlreicher war als die Einwohnerschaft. Wenn eine Festung nicht rechtzeitig übergeben wurde, was allerdings relativ selten vorkam, war die Bevölkerung dem Wüten der Sieger ausgeliefert.
Der Vortrag geht der Frage nach, wie Belagerungen im Zeitraum zwischen 1600 und 1800 abliefen und welchen Stellenwert sie in den Kriegen dieser Epoche einnahmen. Besonderes Augenmerk gilt auch der Frage, welche Auswirkungen die Vorgänge von Belagerungen auf die Soldaten der Garnison und die zivilen Stadtbewohner, aber auch die Truppen des Angreifers und nicht zuletzt die bäuerliche Bevölkerung im Umkreis einer Festungsstadt hatten.

Im Anschluss an den Vortrag führt der Referent durch die neue Dauerausstellung.

Daniel Hohrath M. A. ist Militärhistoriker und Kurator am Bayerischen Armeemuseum. Er betreut als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Sammlungsbereiche Fahnen und Uniformen sowie die Bayerische Armeebibliothek und entwickelte das Konzept des ersten Abschnitts der neuen Dauerausstellung (Zeitraum von 1650 bis 1815).